Die Bundeswehr, hier der uniformierte Anteil, hält ein durchaus sinnvolles Instrumentarium zur Weiterentwicklung bereit. So planen die Konzeptionäre die Bundeswehrentwicklung anhand der politischen Vorgaben auf der Teilstreitkraftebene vor. Dazu hat jede Truppengattung dann einen Bereich für Weiterentwicklung, welcher die entsprechend geplanten Neuerungen und Geräteentwicklungen bis zur Serienreife begleiten soll. Im Rahmen der letzten Reform wurden diese Anteile noch einmal verringert und zentralisiert.

Nun mag der Weg durch die Bundeswehrinstanzen verkürzt werden, die Wurzel des eigentlichen Übels packt man dadurch nicht. Denn sobald die Truppe sich einig ist, dass ein bestimmtes Gerät oder eine Fähigkeit benötigt wird, verlässt dieses Vorhaben den uniformierten Anteil und entwickelt sich zum bürokratischen Ungeheuer.

Nun muss dieses Projekt durch die Integrierte Arbeitsgruppe Fähigkeitenanalyse (IAGFA). Hier sitzen neben den jeweiligen Beauftragten der Inspekteure dann mit Mehrheit Zivilisten aus Wehrverwaltung und Beschaffung am Tisch. Neben diesen amtlichen Teilnehmern sitzt dort jedoch auch die gesamte Rüstungsindustrie. Und diese IAGFA entscheidet nun, ob es sich tatsächlich um eine Fähigkeitenlücke handelt und wie dringend die Schließung dieser Lücke ist, sofern der Bedarf erkannt wurde.

Zu Deutsch: Zivilverwaltung und Rüstungsindustrie entscheiden was in welcher Anzahl und mit welchen technischen Spezifikationen beschafft wird. Jeder von uns wäre dankbar, wenn wir auf so eine professionelle Weise unterstützt würden ein Auto zu kaufen. Ich möchte also einen Kombi kaufen mit dem ich Familie und Einkäufe im täglichen Leben bewältigen kann. Dann entscheidet Audi, dass ich dafür unbedingt einen Q7 brauche und die Verwaltung stimmt zu, sofern Audi diesen Q7 für den Preis eines Trabants liefern kann. Der Vergleich hinkt insofern, als dass Audi in diesem Falle ein Auto in Trabantqualität, 15 Jahre zu spät liefert und es dann auf jeden Fall mindestens das doppelte eines vollwertigen Q7 kostet. Das ein ausländischer Hersteller das Produkt in der von der Truppe gewünschten Qualität bereits von der Stange liefern könnte wird hierbei auch nur der Alibifunktion halber kurz beleuchtet. Da die Luftwaffe bereits die ungeteilte Aufmerksamkeit der Medien genießt ein paar Schwänke aus dem Heer.

So wurde dann unter tatkräftiger Hilfe von Mitgliedern des Verteidigungsausschusses die Beschaffung des EAGLE vom MOWAG (Schweiz) solange blockiert, bis KMW mit dem DINGO an der Ausschreibung für gepanzerte Fahrzeuge teilnehmen konnte. Welch eine Überraschung dass KMW dann die Ausschreibung auch gewann. Ergebnis und Siegerehrung war, dass die Truppe in Afghanistan zwei Jahre später mit gepanzerten Fahrzeugen ausgestattet wurde. In einer ansatzweise normalen Welt würde man nämlichen MdB die Immunität entziehen und sie wegen Landesverrats vor Gericht stellen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68073957.html

Die Grundkarosserie des Fallschirmjägertransporters MUNGO wurde als Straßen- und Gehwegreinigungsfahrzeug entwickelt. Dass diese Karosse nicht dafür gedacht war weltweit über Schlaglochpisten zu holpern, war den Experten wohl nicht bekannt. Man schweißt also noch schön viel dickes und vor allem schweres Blech um das Fahrzeug und garantiert so reihenweise Karosseriebrüche. Nebenbei sind die Räder so klein, dass der MUNGO sich bereits festfährt, wenn man bei einem Geländewagen nicht mal den Allradantrieb zuschaltet. Fazit: Wenn man dieses Auto Wasserdicht zuschweißt würde es bei Einheitsfeiern immerhin einen brauchbaren, selbstfahrenden Pool abgeben, sofern man auf asphaltiertem Untergrund bleibt.

http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/militaer-verteidigung/id_45787906/bundeswehr-nicht-einsatztauglich-.html

Der Schützenpanzer PUMA wurde dem Bereich Weiterentwicklung Panzergrenadiertruppe immerhin erstmals vorgestellt, nachdem die ersten Vorserienfahrzeuge fertig waren. Zur vollkommen Überraschung der Konstrukteure von KMW verlangte die Truppe, dass folgende Dinge zu berücksichtigen seien:

Mitnahme von Gepäck für neun Soldaten.
Eine Grenadiergruppe hat immer ein Maschinengewehr.
Eine Grenadiergruppe hat immer eine Panzerfaust nebst Munition.
Und noch einige Dinge mehr. Das Fahrzeug musste erneut aufs Reißbrett.

Bei dem Waffenträger WIESEL BMK 20mm musste im zweiten Auslieferungslos das Fahrzeug um eine Laufrolle erweitert werden.
Grund: Bei Dauerfeuer mit der Bordmaschinenkanone konnte es passieren, dass sich der Wiesel nach hinten überschlug.
Damit wurde man auch dem Problem Herr, dass der WIESEL sich bei Vollbremsungen auch mal gerne nach vorne Überschlug.

 

Die Liste lässt sich beliebig erweitern um Beispiele aus allen Teilstreitkräften.

Wer also möchte das Rüstungsgüter Bedarfsgerecht entwickelt und beschafft werden braucht nicht an der Zusammensetzung von Ämtern herum zu spielen , er hat den gesamten Beschaffungsablauf zu überarbeiten. Was auf jeden Fall garantiert keinen positiven Effekt bringen wird, ist den Wehrtechnischen Dienststellen das Fachpersonal abzunehmen und dafür den Verwaltungswasserkopf in Koblenz beizubehalten. Das einzige was dies zur folge haben wird, ist das die Industrie den Kunden noch schamloser betrügen kann, da die Erprobung unter realistischen Bedingungen dann den Nutzern und Besatzungen im Einsatz vorbehalten bleibt. Daher einige konkrete Forderungen um Rüstung und Nutzung auf den richtigen Weg zu bringen.

Die Truppe definiert ihren Bedarf und nicht die Wehrverwaltung.

Der Einfluss von Politik und Industrie ist zurück zu drängen.

Verträge müssen so gestaltet werden, dass bei Nichterreichen von Milestones Vertragsstrafen fällig werden und diese dann auch kassiert werden.

Wenn unter horrenden Kosten für den Steuerzahler Rüstungsgüter entwickelt werden, dann muss bei Rüstungsexporten eben dieser Produkte auch eine Rückvergütung in die Staatskasse fließen.

Rüstungsexport und Lizenzvergabe gehören unter Parlamentsvorbehalt gestellt.

Was denkst du?